E-Learning: MAKE oder BUY?

Lesen Sie in diesem Blogartikel über die Vorteile der beiden Wege "make" versus "buy" und den hybriden Weg.

MULTIMEDIA-LEARNING

Thomas Hohn

2/7/20233 min read

MAKE oder BUY?

In Unternehmen, die für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden auch digitale Lerninhalte einsetzen, stellt sich früher oder später die Frage: make oder buy? Im Kern geht es darum, ob die HR-Verantwortlichen hierfür individuellen Content wünschen (individuell inhouse produziert oder extern beauftragt) - oder ob sie am Markt fertig produzierten Standard-Content auf Lizenzbasis einkaufen. In diesem Beitrag sollen die verschiedenen Wege miteinander verglichen werden, und beleuchtet werden, ob nicht auch eine Kombination unterschiedlicher Formate eine schlaue Alternative zum üblichen "schwarz versus weiß" ist.

Wann könnte eine individuelle Inhouse-Produktion die erste Wahl sein?

  • Wenn die Inhalte so spezifisch sind, dass es auf dem Markt keinen geeigneten Standard-Content gibt und gleichzeitig eine externe Vergabe, z.B. aus Budgetgründen, keine Option ist.

  • Wenn "look and feel" bzw. die Inhalte maßgeschneidert auf das Unternehmen und seine Kultur sein sollen.

  • Wenn es schon HR-Expert:innen gibt, die sowohl über erste mediendidaktische Kompetenzen verfügen als auch hoch dazu motiviert sind, selbst Medienproduktionen umzusetzen.

  • Wenn intern bereits Lizenzen für Autorentools sowie geeignete Medientechnik vorhanden sind bzw. kurzfristig angeschafft werden können.

  • Wenn die Mitarbeitenden neben der Motivation auch freie Zeitressourcen haben, um sich in Produktionstechnik, Autoren- und Review-Tools einzuarbeiten bzw. sich hierzu weiterzubilden.

  • Wenn schnelle und authentische Inhalte wichtiger bewertet werden als eine "High-End-Qualität", wie sie z.B. externe Partner abliefern würden.

  • Aus eigener langjähriger Erfahrung mit dem Aufbau und dem lfd. Betrieb eines Inhouse-Multimedia-Studios für E-Learning-Content kann ich hier noch den Tipp gegen, lieber in kleinen steps vorzugehen und z.B. zunächst mit wenig und im Zweifel auch semi-professionellem Equipment zu starten. Sofern die Ergebnisse überzeugen, andere im Unternehmen "Wind bekommen" von den neuen Möglichkeiten und somit die Nachfrage steigt, kann man immer noch weiter aufrüsten.

Wann könnte eine externe Auftragsproduktion von individuellem Content sinnvoll sein?

  • Wenn die oben genannten Punkte zutreffen, Sie aber die Ressourcen Ihres Teams lieber für innovative, strategische oder produktpolitische Aufgaben einsetzen möchten, und weniger für die operative Content-Produktion - und hierfür auch Budget eingeplant haben!

  • Wenn Sie noch keine Autorentools bzw. eigene Produktionstechnik nutzen bzw. sich mit Auswahl, Einkauf, Updates, Wartung etc. nicht weiter beschäftigen möchten.

  • Wenn Sie Ihren Zielgruppen ohne große Lernkurve und schnell digitale Lernangebote in hoher didaktischer und technischer Qualität anbieten möchten.

Wann könnte der Einkauf von fertig produziertem Standard-Content auf Lizenzbasis sinnvoll sein?

  • Wenn es auf dem Markt bereits direkt zum Thema passende, fertig produzierte Kurse gibt und der Aufwand für eine Individualproduktion - egal auf welchem der beiden skizzierten Wege - deswegen ungleich höher wäre.

  • Wenn eine individuelle und markenkonforme Umsetzung und Content-Individualisierung nicht zwingend ist und der Schwerpunkt vor allem auf einer schnellen Verfügbarkeit der benötigten Lerninhalte liegt.

  • Wenn die entstehenden Kosten maximal überschaubar gehalten und zeitlich begrenzt werden sollen, was bei den meist üblichen Lizenzmodellen gegeben ist.

Machen auch "hybride" Modelle Sinn?

Eine Kombination von eingekauftem lizenzbasiertem Standard-Content mit intern oder extern produzierten zusätzlichen individuellen Formaten (z.B. Videos) kann eine sehr pragmatische Lösung sein, und hat viele Vorteile:

  • Die fertig eingekauften Lerninhalte können durch gezielt produzierte individuelle zusätzliche Module in den "look and feel" des Unternehmens und einen größeren Kontext eingeordnet werden.

  • Vor den eigentlichen Lerninhalten kann die Sinnfrage des Lernprozesses und die Bedeutung der Inhalte und der Qualifizierung für das Unternehmen maximal authentisch und motivierend vermittelt werden.

  • Dadurch, dass der überwiegende Teil der Lerninhalte fertig produziert eingekauft wird und nur ein kleiner zusätzlicher Part mit individuellen Modulen "veredelt" wird, sind solche hybriden Lösungen auch budgettechnisch eine interessante Alternative zu kompletten Individualproduktionen.

  • Und wer eigene Aufwände insgesamt eher kritisch sieht: Es gibt auch Anbieter, die auf Wunsch auch eine Teil-Individualisierung von Standard-Modulen (z.B. Logo, Farben) anbieten.

Mein Fazit: Vor einer zu schnellen Festlegung auf den einen oder anderen Weg sollten Unternehmen, wann immer dies möglich ist, verschiedene Möglichkeiten testen und evaluieren, um die für das Unternehmen langfristig beste Alternative mit ausreichend Zeit herauszufinden. Vieles spricht dafür, sich hier breiter aufzustellen und je nach Projekt und Thema ggf. auch jeweils anders vorzugehen, anstatt hieraus eine Grundsatzfrage zu machen. In jedem Fall braucht es motivierte Mitarbeiter:innen, die den Weg mitgehen. Wer sich in der ersten Euphorie teures Produktionsequipment und Software-Lizenzen kauft, deren Einsatz in der Praxis aber an mangelnder Motivation oder fehlender Ressourcen im Team scheitert, ist schlecht beraten. Ebenso wie die Unternehmen, die ihren Lern-Content extern einkaufen oder produzieren lassen wollen, dies aber bei ihrer Budget- und Projektplanung nicht ausreichend konsequent und rechtzeitig berücksichtigen.